Erfahrungsbericht von Steffi

Sarah hatte mir schon oft von Ruanda erzählt und gemeint, dass ich doch mal dorthin gehen solle, da sie glaube, dass es mir gefallen würde. Wie sehr sie damit recht hatte, hätte ich im Voraus nicht erwartet. 2018 war ich dann endlich soweit.

Ich flog am 26. November von Ghana nach Ruanda. In Kigali wurde ich von Dennis, dem Schwager von Kathrin am Flughafen abgeholt. Schon als ich Kigali das erste Mal bei Tageslicht sah, war ich sehr überrascht. Nach Ghana, und auch im Vergleich zu Berlin, beeindruckte mich, wie sauber die ruandische Hauptstadt ist. Und wie still. Ich merkte sehr schnell, dass ich mich in Ruanda wohlfühlen würde. Ich mochte das Grün, das Klima, die unaufdringlichen Menschen.

In Kigali besuchte ich unter anderem das Genozid Memorial, was mich sehr bewegte. Ich hatte mich schon früher und kurz vor der Reise nochmal mit der Geschichte von Ruanda, vor allem mit dem Genozid von 1994 beschäftigt, aber dann dort zu sein und sich direkt in dem Land damit zu beschäftigen, war eine ganz andere Sache. Ich war gespannt, in welcher Form ich in den nächsten Wochen der Geschichte des Landes begegnen würde.

Nach ein paar Tagen in Kigali reiste ich weiter nach Huye, wo sich in einem Nebenort das „neue“ Haus von Kwizera befindet. Dort befindet sich die Nähschule von Kwizera und dort lebt auch Charles der Koordinator und Sozialarbeiter von Kwizera. Ich freute mich besonders auf Charles und darauf, ihm bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen, da ich selbst auch Sozialarbeiterin bin.

Charles holte mich vom Busbahnhof ab und nahm mich mit auf den Markt, den ich in den nächsten Wochen noch öfter besuchen würde. Dann fuhren wir gemeinsam zum Projekthaus. Erzähle ich heute von meiner Zeit in Huye, beschreibe ich die Straße nach Matyazo als die schönste der Welt. Ich mag die rote Sandstraße, die gesäumt ist von Eukalyptusbäumen und kleinen Häuschen. Das Haus von Kwizera ist ein hübsches Haus in einem gepflegten Garten.

Dort angekommen lernte ich gleich die Frauen der Nähschule kennen, die Vermieterin des Hauses, Claude, den Housekeeper und die Enkelinnen der Vermieterin. Alle diese Menschen sollten mir im Laufe der nächsten Wochen sehr ans Herz wachsen. Sprechen im Sinne von „Worte benutzen“ war schwierig, da viele Menschen in Ruanda, vor allem ältere und arme Menschen, kein Englisch sprechen und ich leider kein Französisch und kein Kinyarwanda. Umso schöner war es, dass eine Kommunikation doch möglich war. Mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Kinyarwanda, die mir die Enkelinnen der Vermieterin beigebracht hatten. Und natürlich hatte ich mit Charles einen tollen Dolmetscher.

Am Samstag nach meiner Ankunft konnte ich das erste Mal bei der Traumatherapie, die Kwizera für alle teilnehmenden Frauen anbietet, dabei sein. Ich lernte Charlotte, die Therapeutin und noch einige andere Frauen kennen, die von Kwizera unterstützt werden. Auch hier übersetzte Charles für mich. Die Traumatherapie war für mich sehr bewegend und interessant. Die Frauen haben Erschütterndes während des Genozids erlebt und ich bewundere, wie Charles und Charlotte mit diesen Geschichten und den Frauen umgehen, obwohl auch sie eine vom Genozid geprägte Geschichte haben. Ich bin sehr dankbar, dass ich bei den Therapien dabei sein durfte und für die Offenheit der Frauen, Charlotte und Charles.

Eigentlich war mein Plan, zwei bis drei Wochen in Huye zu bleiben und dann weiterzureisen. Aber ich merkte schnell, wie wohl ich mich im Haus, mit den Menschen dort und in Huye fühlte. Ich wollte nicht gehen. Ich richtete mir schnell einen Alltag mit Charles und für mich selbst ein. Ich ging regelmäßig schwimmen (in Huye befindet sich das größte Schwimmbad von Ruanda, 20x25m), zum Yoga und arbeitete mit Charles zusammen. Von Kathrin hatte ich eine Liste bekommen, was wir gemeinsam in der Zeit, in der ich in Huye war, machen könnten und sollten. Neben dem, dass wir einiges für den Jahresrückblick von Kwizera schrieben, besuchten wir die Frauen in ihren Häusern, um über jede Frau ein Profil zu erstellen. Das waren die schönsten Zeiten für mich. Ich genoss es, wenn wir mit den Motorrad-Taxis durch die wunderschöne Landschaft von Ruanda fuhren und ich in den abgelegenen Dörfern aufgrund dieser Besuche Einblick in das ländliche „echte“ Leben der RuanderInnen bekam. Auch für die Dorfgemeinschaft war es immer ein Erlebnis, wenn Charles und ich kamen. Die Kinder und auch die Erwachsenen waren begeistert, wenn eine Muzungu (= Weiße) in ihr Dorf kam und sie waren sehr interessiert an mir. Wo ich hinkam, wurde ich herzlich begrüßt.

Nach ca. vier Wochen in Huye beschloss ich, noch eine Weile in Ruanda herumzureisen, bevor ich mich auf den Weg nach Uganda machen wollte, um dort eine Freundin zu besuchen. Der Abschied fiel mir sehr schwer und nach vier Tagen am wunderschönen Lake Kivu kehrte ich nach Huye zurück. Ich war noch nicht bereit zu gehen und wollte unbedingt beim Weihnachtsmeeting mit den Frauen dabei sein. Am 24.12. verließ ich Ruanda dann wirklich mit dem Bus nach Uganda. Bevor ich Huye verließ, konnte ich zusammen mit Charles noch abschließen, was eine meiner „Aufgaben“ gewesen war. Wir hatten zwei der Zimmer im Projekthaus eingerichtet. Ein Zimmer für eine/n Freiwillige/n und ein Gästezimmer. Die Zimmer sind sehr schön geworden. Wir haben die Möbel bei einem Schreiner machen lassen und der hat wirklich eine tolle Arbeit geleistet. Ich kann nur jedem raten, nach Huye zu reisen und eine Weile dort zu wohnen.

Während meiner Zeit in Huye hatte ich gemerkt, dass ich meine Reise auch dort beenden wollte. So kam ich nach fünf Wochen reisen in Uganda und Kenia nach Huye zurück. Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Ich genoss es nochmal sehr, mit den Menschen dort zusammen zu sein, mit Charles nochmal ein paar Besuche zu machen und Huye zu erleben. Der Abschied von Matyazo und Huye und all den tollen Menschen dort, fiel mir unglaublich schwer und ich hoffe sehr, dass es kein Abschied für immer war.
Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich die Reise machen konnte. Ich bin Sarah unglaublich dankbar, dass sie mir immer wieder empfohlen hat, dorthin zu gehen. Und ich bin Kathrin und Kwizera dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte im Projekthaus zu wohnen und Charles‘ Arbeit kennen zu lernen. Und vor allem bin ich Charles dankbar, dass er sich um mich gekümmert hat, für mich übersetzt hat und mich an seiner Arbeit mit den Frauen hat teilhaben lassen.

Ich kann wirklich nur allen empfehlen, auch nach Ruanda, Huye, Matyazo und ins Projekthaus zu gehen.
 
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Traumatherapie - Update


Die 5. Frauengruppe nimmt nun seit ca. 1 Jahr regelmäßig an den Therapiestunden mit Charlotte teil. Wenn Charles, unser Koordinator zurückblickt, wie es den Frauen zu Beginn der Therapie ging und wie es Ihnen heute geht, kann er eine große Verbesserung feststellen. Die meisten Frauen haben wieder Hoffnung, sie wollen hart arbeiten für ein besseres Leben und sie können ihre Geschichte mit anderen teilen.

In den vergangenen Jahren haben die meisten Frauen während der jährlichen Memorial Phase im April ein schweres Trauma erlitten und konnten nicht an den Veranstaltungen teilnehmen. In diesem Jahr – 25 Jahre nach dem Völkermord - konnten fast alle Frauen an den Gedenkgottesdiensten teilnehmen, ohne zu traumatisieren.

Zwei der Frauen aus Gruppe 5 haben bislang allerdings kaum Fortschritte gemacht und sind in keiner guten psychischen Verfassung. Sie trinken auch regelmäßig Alkohol und haben wenig Hoffnung in ihrem Leben. Laut der Traumatherapeutin Charlotte hilft es in solchen Fällen, den Frauen mehr Zeit zu geben, dass sie weiterhin regelmäßig die Therapie besuchen und so langsam auch Fortschritte machen werden. In Abhängigkeit der Erlebnisse, die die Frauen während des Völkermordes hatten, dauert es unterschiedlich lange, bis die ersten Fortschritte erzielt werden.

Kürzlich hat die erste Therapiestunde mit den Kindern der Frauen und Charlotte, unserer Therapeutin, stattgefunden. Die Frauen haben darum gebeten, dass Charlotte mit den Kindern redet und ihnen hilft. Viele der Mütter haben großen Probleme mit ihren Kindern, z.B. frühe ungewollte Schwangerschaften, Weglaufen von zu Hause, Schule schmeißen, Missbrauch, etc. Dies liegt vor allem daran, dass die Frauen aufgrund ihrer Traumas häufig nicht in der Lage waren, sich um ihre Kinder zu kümmern und diese vernachlässigt haben.

Da die Therapie den Frauen sehr hilft, haben sie die Hoffnung, dass Charlotte auch ihren Kindern helfen kann, sodass das Familienleben wieder harmonischer wird und die Frauen einen Zugang zu ihren Kindern bekommen und ihnen bei ihren Problemen helfen können. Die erste Therapiestunde wurde sehr positiv aufgenommen und hat den Kindern geholfen, ihre Mütter und ihr Verhalten besser zu verstehen. Insgesamt haben 32 Kinder teilgenommen. Wir hoffen sehr, dass die Therapiestunden sowohl den Frauen als den Kindern weiterhin viel helfen und das Zusammenleben verbessert.
 
Therapie Kinder 1Therapie Kinder 2
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Jahresrückblick 2018


Liebe Freunde und Förderer,
 
mittlerweile besteht der Verein Kwizera e.V. seit mehr als 5 Jahren. Gemeinsam konnten wir Vieles erreichen. Im Jahresrückblick (siehe unten) berichten wir über die Fortschritte des vergangenen Jahres.
Ohne Ihre freundliche Unterstützung jedoch wäre dies alles nicht möglich gewesen. Herzlichen Dank dafür!
 
Im Laufe des kommenden Jahres werden wir wie immer unter der Rubrik „Aktuelles“ von den Fortschritten des Projektes berichten.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien von Herzen ein gesundes und glückliches neues Jahr 2019!
 
Herzliche Grüße
 
Ihr Kwizera-Team
 
Jahresrückblick 2018

Bericht von Nadja


Ein riesengroßes Dankeschön an Nadja, die ihren Urlaub "geopfert" hat, um die Frauen aus der Nähschule zu unterrichten!!!

Hier ist ihr Bericht:

Meine Reise nach Ruanda war mein bisher aufregendstes und eindrucksvollstes Erlebnis. Das ist bei mir nicht schwer, ich bin vorher kaum verreist. Ich war das erste Mal außerhalb Mitteleuropas und das ganz alleine. Ich war furchtbar nervös und gespannt was da wohl auf mich zukommt. In einem fremden Land, mit fremden Menschen und einer ganz anderen Kultur und Sprache. Doch dank vieler unglaublichen Erlebnissen und tollen Begegnungen wurde es zu einer bereichernden Erfahrung. An dieser Stelle möchte ich mich bei Kathrin und Kwizera bedanken, dafür dass mir das ermöglicht wurde.

In der Nähschule wurde ich unheimlich nett aufgenommen. Die Frauen dort haben sich sehr über mein Kommen gefreut und mich herzlich empfangen. Trotz der Sprachbarriere konnten wir uns irgendwie verständigen: mit Hand und Fuß, einem kleinen Wörterbuch, Stift und Papier und natürlich den Koordinatoren, die für uns übersetzt haben. Wir hatten viel Spaß zusammen, haben voneinander gelernt und ich habe sie alle ins Herz geschlossen. Immer wieder war ich fasziniert von ihrer Lebensart, ihrer Neugier und ihrer Lebensfreude.

Dank einiger Spenden gibt es vor Ort inzwischen einige elektrische Nähmaschinen. Bisher wussten die Frauen nicht allzu viel damit anzufangen. Mein erstes Projekt war also, mir die Maschinen anzugucken, sie einsatzbereit zu machen und den Frauen zu zeigen wie sie damit arbeiten können. Sie waren sehr beeindruckt davon was man mit den Maschinen alles machen kann. Sie haben sich gefreut, dass viele Nähschritte mit den elektrischen Maschinen viel einfacher gehen. Besonders begeistert und schon fast ehrfürchtig waren sie von einer Computermaschine die neben nähen auch sticken kann. Jede von ihnen wollte sich an den Maschinen ausprobieren. Dank der Koordinatoren konnte ich den Frauen die Maschinen genau erklären und ihre Fragen beantworten.

Nach ein paar Übungsstunden wagten wir uns daran Sachen zu nähen. Agnes, die Lehrerin und die anderen waren sehr wissbegierig und ehrgeizig. Sie saugten die neuen Informationen förmlich auf und wollten alles wissen und ausprobieren. Wir nähten Erdbeertaschen, Rucksäcke, Kosmetiktäschchen, Kuscheltiere, Babyhosen, Röcke, Wickelhosen und, und, und. Manchmal brachten auch die Frauen Ideen mit und konnten diese mit ein bisschen Hilfe umsetzen. Sie sind ein super Team, hoch motiviert und jeder hilft dem anderen. Außer der “Arbeit” wurde auch viel zusammen gelacht. Besonders lustig hatten wir es, wenn wir versucht haben uns gegenseitig unsere Sprachen beizubringen. Die offensichtlich falsche Aussprache hat uns köstlich amüsiert.

Außerhalb der Nähschule konnte ich mit ein paar Studenten, mit denen ich zusammen gewohnt habe, das Land erkunden. Ruanda ist unheimlich schön. Überall gibt es freundliche, hilfsbereite Menschen. Nie hatte ich das Gefühl in Gefahr zu sein oder Angst haben zu müssen. Alles ist aufregend, neu und anders als hier in Deutschland. Vom Reisen mit Bus und Moto-Taxi, über die atemberaubende Landschaft bis zum Einkaufen und Essen. Ich vermisse es hier sehr, frische Maracuja, Mango und Avocado zu essen.

Nach vier Wochen war mein Abenteuer zu Ende. Für meinen Geschmack viel zu schnell. Vor allem der Abschied in der Nähschule fiel mir schwer. Den Frauen offensichtlich auch. Es war ein sehr emotionaler Abschied. Ich freute mich sehr zu hören, dass ich ihnen wirklich helfen konnte und ich jederzeit wieder willkommen bin.

Ich kann diese Art zu reisen nur jedem empfehlen. Man bewirkt etwas, sieht wo die Hilfe ankommt, kann sein Wissen weiter geben und bekommt dafür so viel mehr zurück. Durch den Kontakt mit den Ruandern lernt man Dinge kennen und sieht Teile des Landes, die einem normalen Touri verborgen bleiben.

In diesem Sinne, vielen Dank an alle, die diese Reise für mich so unvergesslich machten. Ganz ganz liebe und ein wenig sehnsüchtige Grüße nach Ruanda.

Wir sehen uns wieder!
 
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